Mehrsprachig bloggen – Gründe und Umsetzungen

Mehrsprachig bloggen in WordPressAls ich das Thema – “Internationalität – die Grenzen der Blogosphäre”- des dieswöchigen Webmaster-Fridays gesehen habe, war ich schon etwas traurig, da ich mir sicher war ,aus Zeitgründen nicht teilnehmen zu können.

Jetzt, da die ersten Artikel erschienen sind und ich feststellen konnte, dass tatsächlich niemand dabei ist, der fremdsprachig oder mehrsprachig bloggt, habe ich mir doch noch ein paar Minuten genommen, um meine Erfahrungen und Meinung mit euch teilen zu können.

Martin hat dem Thema gleich eine ganze Palette an Fragen mitgegeben, von denen ich erst einige beantworten möchte, bevor wir zum Thema mehrsprachiges Bloggen in WordPress kommen.

“[…] Bildet nicht die Sprache im Internet eine Art natürlicher Grenze, die es in bestimmte Gebiete einteilt? Wie geht ihr damit um? Lest ihr in anders-sprachigen Blogs oder Portalen? […]”

Sicherlich bildet Sprache Grenzen bzw. schafft Barrieren. Im Endeffekt sind die Grenzen jedoch nur so hoch, wie das Unvermögen in der Zielsprache zu kommunizieren. Wer nur auf Deutsch publiziert wird in den meisten Fällen auch nur deutschsprachige Leser bekommen. Wer in Englisch publiziert, bekommt hingegen nicht nur Engländer und Amerikaner, sondern Leser aus der ganzen Welt, begründet dadurch, dass Englisch in etlichen Ländern gelehrt wird.

Ich selbst lese viel und gerne in Englisch. Auch “google” ich oft mit englischen Suchphrasen, um aus einem größeren Angebot aus Treffern schöpfen zu können.

“[…] Beteiligt ihr Euch an Diskussionen in anders-sprachigen Blogs? Lasst ihr Euch von Themen und Diskussionen in anderen Sprachen inspirieren? […]”

Wenn ein Artikel/Blogbeitrag/Forenbeitrag Grund zur Diskussion gibt und ich die jeweilige Sprache beherrsche, dann nehme ich auch gerne an Diskussionen teil. Aber auch so gebe ich bei Softwareprojekten gerne Feedback – auch in Englisch.

Mehrsprachig bloggen in WordPress

Nun kommen wir zu den (meiner Meinung nach) spannendsten Fragen von Martin, und zwar folgenden.

“[…] Bietet ihr Eure Inhalte auch in anderen Sprachen an? Im Grunde wäre das doch optimal, denn die eigentliche Arbeit beim Bloggen ist ja nicht das tippen, sondern die Kopfarbeit, die hinter einem Artkel steckt. Nutzt ihr ein Translation-Tool, um Eure Inhalte auch in anderen Sprachen verfügbar zu machen? Welche Erfahrungen habt ihr damit gesammelt – lohnt sich so etwas? […]”

Ja, ich blogge mehrsprachig. Und zwar in Deutsch und Englisch. Als ich diesen Blog hier im Mai 2011 gestartet habe, hatte ich das Thema Mehrsprachigkeit zwar schon auf dem Schirm. Bis es dann aber in die Umsetzung ging, dauerte es noch “einige Tage”, denn anfangs war ich sowohl mit der Konfiguration des Blogs an sich als auch mit der Suche nach einem geeigneten Plugin beschäftigt, sodass sich der Start der englischen Version bis Dezember 2012 hinauszögerte.

Besonders die Suche nach einem geeigneten Plugin hat mich viel Nerven gekostet, da die meisten Plugins zum Betreiben eines mehrsprachigen WordPress-Blogs damals auf Javascript setzten, was zwar schön aussieht, aber SEO (Suchmaschinenoptimierung) technisch eher Bescheiden war. Letztendlich landete ich dann bei Multilingual Press. Die Gründe dafür könnt ihr bei Belieben hier nachlesen.

Mein Ziel bei der Aktion “mehrsprachig bloggen” war es, mehr Menschen mit meinen Artikeln zu erreichen. Ich wollte sehen, ob mein Englisch gut genug ist, um von Leuten über Google gefunden zu werden und ob meine Artikel auch von internationalen Lesern angenommen werden würden. Fazit der Aktion – der Plan ist aufgegangen. Die Besucherzahlen haben sich relativ schnell der deutschen Abteilung meines Blogs angeglichen, ohne dass ich dabei größere Einbußen auf der deutschsprachigen Seite hatte. Das zeigt unten stehender Screenshot der ersten 12 Monate nach dem Start der englischen Seite auch ganz gut.

Vergleich Besucherzahlen code-bude.net mit en.code-bude.net

In einem Punkt muss ich Martin jedoch widersprechen. Das sinnvolle und sinngemäße Übersetzen macht (zumindest mir) mindestens genauso viel Arbeit wie das ursprüngliche Verfassen des jeweiligen Blogartikels.

Zwar lasse ich mir teils grobe Vorschläge durch Google Translate unterbreiten, jedoch schraube ich dann an jedem Satz noch ein paar Mal herum, stelle ihn um, schaue Vokabeln auf dict.cc nach und lasse teils noch einmal von jemanden Dritten gegenlesen. Wenn ich schon nicht perfekt Englisch kann, dann kann ich schließlich wenigstens mein Bestes geben, ein (für meine Mittel) optimales Ergebnis zu erzielen.

Da das Ganze jedoch eine Menge Arbeit ist, habe ich bis heute leider immer noch nicht alle Artikel übersetzt. Von den 258 Artikeln auf der deutschen Seite sind bisher 140 auf Englisch übersetzt. Bei bis zu 4000 Wörtern pro Artikel brauche ich da aber wie gesagt auch immer ein bisschen für. Dennoch will ich am Ball bleiben – die Besucherzahlen sind da mein größter Zuspruch.

Was andere Teilnehmer sagen

Und ihr? Bloggt jemand von euch noch in einer anderen Sprache oder sogar mehrsprachig?

Mehrsprachig bloggen Gründe und UmsetzungenÜber den Autor: Dieser Artikel, sowie 363 andere Artikel auf code-bude.net, wurden von Raffael geschrieben. – Seit 2011 blogge ich hier über Programmierung, meine Software, schreibe Tutorials und versuche mein Wissen, so gut es geht, mit meinen Lesern zu teilen. Zudem schreibe ich auf derwirtschaftsinformatiker.de über Themen meines Studiums.  //    •  • Facebook  • Twitter


8 Kommentare

  1. Hi, baue derzeit meinen Blog auf und bin auch am Thema Zweisprachigkeit interessiert.
    Eine Multipage kommt allerdings nicht wirklich in Frage.

    Was hältst du von einer Zusammenfassung bzw. Übersetzung unterhalb des deutschen Texts?
    Würde das die deutsche SEO beeinflussen (englisch nicht relevant, mir geht es nur um einige englische Leser, die ich nicht hängen lassen will).

    Gruss
    Chris

    • Ganz ehrlich? Entweder sauber oder gar nicht. Verschiedensprachige Texte auf einer Seite anzuzeigen ist schlechte Praxis und wird dir SEO-technisch Einbußen bringen. Mal davon ab, dass deine englischen Leser kaum über den deutschen Text hinwegscrollen werden, sondern vermutlich die Seite wieder verlassen, bevor sie den englischen Text gefunden haben.

  2. Hey,

    Finde die Idee prinzipiell cool, wäre aber zu faul glaube ich alle meine Artikel zu übersetzen.

    Hast du dir das Plugin eigentlich gekauft oder verwendest du die kostenlose Version?

    Und ist es seotechniscj nicht eigentlich sinnvoller auf 2 seperate TLDs zu setzen also eine.com für den englischen content und eine .de für die deutsche ausführung?

  3. Hallo Raffael,
    ja, hier ist einer, der in zwei Sprachen bloggt. Ich bevorzuge aktuell Deutsch und Russisch und bin ein Russisch-Muttersprachler. Die Idee zum russischen Blog war eines Tages geboren und so wollte ich es wissen was die Russen-Blogger so treiben und mit welchen Mitteln die so arbeiten.

    Für mich hat Russisch insofern Vorteile, da ich auch auf russisch googele und zwar bei Google.ru. So sammele ich zahlreiche Informationen und zwar auf Deutsch und Russisch.

    Die russische Blogosphere ist sehr gross und da man dort auch mehr Bevölkerung hat, ergibt sich auch eine hohe Anzahl von Bloggern und Blogs. Ich lese gerade mal auf 15 Ru-Blogs mit, was für mich für den Anfang ausreicht und damit kann ich schon etwas anfangen.

    Auf Russisch zu bloggen, ist für mich viel mühsamer, da ich auch die Technik nicht habe, womit ich gleich auf Russisch tippen kann. Ich habe halt die deutsche Tastatur und bediene mich eines Translator-Tools, wo ich auf deutsch tippe und es erscheinen dabei russische Buchstaben. Dann korrigiere ich mit einem weiteren Tool von Yandex. Dann ist die Arbeit getan und der russische Artikel kann in meinem WordPress-Blog online gehen.

    • Hi Alex,

      vielen Dank für dein Feedback. Ein paar deiner Blogs kenne ich mittlerweile ja auch schon. Und dass du irgendwo in der “youbigblog”-Ecke auch schon mal auf russisch publiziert hattest, ist mir auch nicht entgangen.

      Dass das Tippen von kyrillischen Zeichen auf einer Tastatur mit deutschem Layout eine Heidenarbeit ist, glaube ich dir gerne. Da du ja aber anscheinend öfter auf russisch bloggst, frage ich mich, warum du dir nicht einfach eine Tastatur mit russichem Layout kaufst. Besser noch eine mit deutschem und russischem Layout. Dann brauchst du in Windows in der Taskleiste nur fix das “Eingabegebietsschema” umstellen und kannst nativ mit kyrillischem Zeichensatz tippen.

      Solche Tastaturen gibt’s bei Amazon mittlerweile schon für ~20€ siehe hier: http://amzn.to/1sPv1YI
      Die Einstellungssache in Windows dauert maximal 30 Sekunden.

      Viele Grüße,
      Raffael

      • Hi Raffael,
        ja, das würde ich gerne kaufen, aber ich habe leider nur ein Notebook und keine PCs mehr. Ansonsten wurde mir das schon mal von einer russischen Leserin vorgeschlagen. Das wäre sonst gegangen.

  4. Vielen Dank für den ausführlichen Artikel!

    Ich habe auch schon lange mit dem Gedanken gespielt, einige meiner Webseiten mehrsprachig zu machen. Gerade aus SEO-Sicht ist es ja immer interessant, da man die Zielgruppe direkt massiv erweitern kann. Aber dann kommen auch etliche andere Aspekte hinzu, wie z.B. der Linkaufbau für die andere Sprache….

    Mal sehen was die Zukunft so mit sich bringt ;)

  5. Hallo Raffael,

    Schön, dass ich dich etwas inspiriert habe ;)

    Zugegebener Weise habe ich mich bei deinem Beitrag an der Mehrsprachigkeit deines Blogs festgebissen. Ich habe lange mit dem Gedanken gespielt und auch schon mehrere kleinere mehrsprachige Websites via WordPress realisiert, sehe aber nicht wirklichen Mehrwert dadurch.

    Da du dich mit SEO beschäftigst, bist du dir der Problematiken ja auch bewusst, die Mehrsprachigkeit mit sich bringt. Diese ganzen Aspekte und der große Englischsprachige Wettbewerb – und dazu noch die zusätzlich breiter gefächterte Zielgruppe hindert mich zur Zeit daran.

    Ich finde deinen Blog wirklich lesenswert, du schreibst deutlich mehr über IT als ich ;)

    So, nun werde ich dich mal bookmarken.

    Vielen Dank für den Denkanstoß und viele Grüße,
    Pascale Beier

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