Entscheidungshilfe: Was ist der richtige vServer für mich?

vServer RackHeute soll es darum gehen, welches der geeignete vServer für das eigene Projekt ist. Welche Merkmale machen einen vServer aus und auf welche Specs sollte man achten?

Weiter soll es darum gehen, wann es überhaupt Sinn macht einen vServer zu mieten. Denn in manchen Fällen ist ein vServer vielleicht gar nicht nötig oder andersherum “zu schwach” auf der Brust.

Webspace, vServer, Root-Server, Managed Server, Cloud Server – welcher ist der richtige?

Bevor wir auf die Eigenschaften und wichtigen Faktoren eines vServer eingehen, sollten wir zuerst klären, für wen und für welche Zwecke sich ein vServer eignet.

Nehmen wir als die beiden Grundwerte einmal Flexibilität und Leistung, so kann man sagen, dass sich ein vServer in der Mitte zwischen Webspace (wenig Flexibilität / Leistung) und einem Root-Server (viel Flexibilität / Leistung) befindet. Das Gleiche gilt für die preisliche Einordnung. (Zu beachten ist hierbei, dass dies den Normalfall betrifft. Sicherlich gibt es auch vereinzelt Angebote, in denen ein Webspace mehr Leistung hat als ein vServer oder ein Root-Server weniger Leistung hat als ein vServer. Dies sind aber eher die Ausnahmen.)

Was macht nun einen vServer aus und wo sind die Unterschiede zum Webspace und zum Root-Server? Bei einem Webspace bekommt, vereinfacht gesagt, ein Verzeichnis auf einem (Web-)Server zu Verfügung gestellt, in dem man seine Webseite(n) ablegen kann. Zusätzlich gibt es meist noch Zugriff auf eine Datenbank und einen FTP-Zugang, mit dem man das Verzeichnis leichter bespielen kann. Versteht man den Server als “ein Stück Hardware” und führt sich vor Augen, dass je nach Anbieter bis zu 200 Webspace auf einem Server angelegt und vermietet werden, wird schnell klar, warum ein Webspace nicht die performanteste Lösung ist. Hinzu kommt, dass der Webspace-Betreiber Fakten wie den verwendeten Webserver (Apache, Nginx, etc.) und das/die Datenbanksysteme vorgibt. Somit ist man in der Flexibilität auch etwas eingeschränkt.

Bei einem vServer bekommt man eine virtuelle Maschine auf einem Server (Server analog zu “ein Stück Hardware”). Je nach Leistung des ausgewählten vServer und der Leistung der Server-Hardware werden 2-10 virtuelle Maschinen (=vServer) auf einem System verwaltet. Es wird also schon klar, dass man sich im Vergleich zum Webspace mit weniger Leuten die Leistung teilen muss und man zudem zugesicherte Ressourcen hat.
Was die Flexibilität angeht, kann man hier nahezu “walten und schalten” wie man will. Da es sich um eine virtuelle Maschine handelt, kann man von der Wahl des Betriebssystems bis hin zur Installation beliebiger Software alles vornehmen.

Der Root-Server ist quasi “die Krone der Schöpfung”. Hier bekommt man Vollzugriff auf die Server-Hardware und ist der einzige Kunde auf dem System. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Uneingeschränkter Zugriff auf die Server-Ressourcen. In der Flexibilität nehmen sich ein Root-Server und ein vServer in der Praxis meistens nichts. Der Unterschied liegt wirklich nur in der höheren Performance.

Und was ist mit Cloud-Servern und Managed-Servern? Bei Cloud-Servern lassen sich Hardware-Parameter wie CPU und RAM dynamisch ändern. Kommt ein Besucheransturm, dann skaliere ich meine Maschine eben für zwei Tage hoch. Ist er vorbei, nehme ich wieder Ressourcen weg. Dies ist zwar einerseits eine schöne Sache, andererseits lassen sich die Anbieter dies aber bisher auch fürstlich bezahlen. Ein Cloud-Server mit vergleichbaren Specs wie ein vServer kostet im Normalfall mehr. Weiß man, dass man eine einigermaßen konstante Auslastung hat, so sollte man sich also eher für den vServer entscheiden.

Ein Managed-Server kann sowohl ein vServer als auch ein Root-Server sein. Das Wort “Managed” beschreibt lediglich die Dienstleistung eines Anbieters, den Server zu warten. Denn: Ein Server bringt grundsätzlich Verantwortung mit sich! Im Gegenteil zum Webspace liegt die Verantwortung für das Einspielen von Updates und sicherheitsrelevanten Patches auf seinen des Mieters. Wer nur Performance und Flexibilität haben will, sich aber nicht um die Wartung kümmern möchte, der entscheidet sich für einen Managed-(v)Server.

Worauf muss ich bei der Wahl eines vServers achten?

Ist die Entscheidung für die Nutzung eines vServer einmal getroffen, gilt es den passenden Anbieter zu finden. Um sich einen Überblick über die aktuellen Angebote am Markt zu verschaffen, eignen sich Portale zum vServer Vergleich. Hat man sich dort für seine Favoriten entschieden, sollten folgende Kriterien bei der endgültigen Auswahl beachtet werden.

CPU; Wie viel Rechenleistung brauche ich? Habe ich eher rechenintensive Aufgaben (z.B. komplexe Scripte und Berechnungen) vor oder muss mein vServer eher mehr für die Datenhaltung (z.B. Backupserver) geeignet sein. Welche CPU hat der Anbieter verbaut? Ist es eine Server CPU (z.B. XEON) oder eine Desktop CPU (z.B. Intel i7). Desktop CPUs sind nicht per se schlecht, jedoch verbauen manche Anbieter auch CPUs wie Intel Atom, die im Normalfall völlig ungeeignet sind. Weiter gilt es zu beachten, ob eine bestimmte Anzahl an Kernen und MHz fest zugesichert wird oder die Leistung dynamisch verteilt wird. (Eine explizite Zusicherung ist immer zu bevorzugen.)

RAM; Hier gilt das Gleiche wie im letzten Abschnitt zu den CPUs. Wird der Arbeitsspeicher fest zugesichert oder erfolgt eine dynamische Verteilung? Oftmals werden auch Kombinationen wie 2 GB fest zugesichert und 4 GB optional/dynamisch angeboten. Von angeboten ohne Zusicherung ist in jedem Fall abzusehen.

SSD oder HDD; Hier stellt sich wieder die Frage nach dem Einsatzzweck. So gibt es zum Beispiel Angebote bei denen es zum gleichen Preis entweder 80 GB SSD oder 400 GB HDD gibt. Möchte ich den vServer als Backup-Speicher oder als Datenspeicher zum Anbieten von Downloads nutzen, sollte ich lieber die HDD wählen. Möchte ich zum Beispiel eine Datenbank-lastige Anwendung laufen lassen, so wähle ich die SSD um einen Performancegewinn bei den Datenbankzugriffen durch die SSD zu erreichen.

Betriebssystem und Images; Mit welchem Betriebssystem möchte ich arbeiten? Linux, Unix, BSD oder Windows? Vor der Miete eines vServers sollte abgeklärt werden, welche Betriebssysteme der Anbieter zur Verfügung stellt. Meist sind Windows vServer etwas teurer als ihre Linux-Pendante, da für den Anbieter noch Lizenzgebühren fällig werden. Wer noch eine Windows-Lizenz über hat, sollte sich am besten einen Anbieter suchen, der das Hochladen von Images erlaubt. So kann man ein Windows-Image hochladen und mit seiner eigenen Lizenz betreiben.

Backups; Bietet der Anbieter an Backups vom vServer zu machen? Wenn ja, ist der Speicherplatz kostenlos oder muss dafür extra gezahlt werden? Werden Backups im laufenden Betrieb angeboten?

Control-Panel; Welche Möglichkeiten zur Steuerung und Wartung bietet der Anbieter an? Kann ich meinen vServer selbst neu starten oder ein Hardreset durchführen oder bedarf es dazu eines Servicetechnikers? Gibt es eine Remotekonsole über die ich direkt auf den Server zugreifen kann?

Fazit

Die obige Liste ist nun doch etwas länger geworden, als ich zu Eingang des Artikels gedacht hatte. Dennoch sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Schließlich lassen sich die richtig guten Preise erst bei Vertragslaufzeiten ab 6-12 Monaten erzielen. Und bevor man sich solch lange Zeit bindet, sollte man vorher genau überlegen, ob der Anbieter bzw. dessen Angebot wirklich auf die eigenen Bedürfnisse passt.

Wenn man die obige Checkliste gewissenhaft abarbeitet, kann im Endeffekt nicht mehr viel schief gehen.

Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr auch einen vServer und wenn ja, welche Kriterien habt ihr in die Wahl eures Servers mit einbezogen?

 

Das Artikelbild steht unter CC-Lizenz und stamm von Bob Mical.

Entscheidungshilfe: Was ist der richtige vServer für mich?Über den Autor: Dieser Artikel, sowie 363 andere Artikel auf code-bude.net, wurden von Raffael geschrieben. – Seit 2011 blogge ich hier über Programmierung, meine Software, schreibe Tutorials und versuche mein Wissen, so gut es geht, mit meinen Lesern zu teilen. Zudem schreibe ich auf derwirtschaftsinformatiker.de über Themen meines Studiums.  //    •  • Facebook  • Twitter


5 Kommentare

  1. Connysays:

    V-Server sind nicht immer notwendig.

    Wir haben uns seit einiger Zeit für ein kleine Hosting-Paket von Ehrenwert IT entschieden.

    Dies sind für die meisten Anwendungen vollkommen ausreichend und ein späterer Wechsel zu einem V-Server kein Problem.

    Schon alleine aus Kostengründen und der Zeitersparnis (keine Serverbetreuung notwendig) sollte man also überlegen ob es für den Anfang nicht auch ein Webhostingpaket tut.

    • Hallo Conny, deswegen habe ich ja im Artikel erläutert, wann ein vServer Sinn macht und wann man besser mit einem Webspace bedient ist…

  2. Schöne Zusammenfassung!
    Für mich ist auch das Support Angebot eines Anbieters wichtig, egal für welche Art Webhosting ich mich entscheide. Aber vor allem beim VServer, wo man ja selbst für das System zuständig ist, würde ich vor allem Anfängern empfehlen, auch einen individuellen Service beim Support zu achten. Bei großen Hostern bekommt man da gerne bei Anfragen einfach ein “Das ist ein VServer, da sind Sie selbst für alles zuständig” zurück. Bei kleineren Hostern wird einem trotzdem oft weitergeholfen.

  3. ich habe mir leider mal den falschen server für mich aufschwatzen lassen, sollte man sich vorher wirklich gut überlegen..

  4. Mir ist es noch wichtig, dass der Server-Betreiber Anonymisierungsdienste zuläßt:

    https://scroom.de/?p=121

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