Usenext ist nicht das Usenet oder ist die Telekom das Internet?

What the fckUnd schon wieder ein Artikel mit provokanter Überschrift. Ja, ein wenig frech, aber das muss auch mal sein. Wenn ich Dinge höre wie “Das Usenet? Das ist doch diese Abzocker-Firma. Lass da bloß die Finger von!”, dann bekomme ich das kalte Grausen.

Egal, ob man nun Verfechter des Usenets ist oder nur peripher davon gehört hat, ein gewisses Grundverständnis sollte da sein. Oder behauptet ihr etwa auch, dass die Telekom das Internet ist?

 

Die Telekom ist nicht das Internet!

So ist die Telekom natürlich nicht das Internet. Sie ist Provider. Sie ist also ein Zugangsanbieter zum Internet. Einer unter vielen. Und genauso hält es sich mit Usenext. Usenext ist ein Zugangsanbieter zum Usenet, aber nicht das Usenet selbst. Wenn nun ein Anbieter wie Usenext durch Aktionen in der Vergangenheit einen schlechten Ruf geerntet hat, dann kann man sich gerne diesem Anbieter abwenden. Das Usenet deshalb zu verteufeln halte ich trotzdem für falsch. Oder sagt ihr auch, dass Mobilfunk schlecht ist, seitdem ihr vielleicht bei einem Handyanbieter einmal Probleme hattet? Ich denke nein.

Was ist das Usenet?

Damit wir nun aber nicht einfach nur festhalten, dass das Usenet etwas anderes ist als Usenext, möchte ich noch einen kurzen Überblick und Einstieg in das Thema Usenet geben.

Guckt man sich den Ursprung des Begriffs Usenet, nämlich Unix User Network, an, so ist das Ganze schon einmal etwas demystifiziert. Das Usenet ist ein weltweites, eigenständiges, elektronisches Netzwerk, dass sogar älter ist als das Internet, welches wir tagtäglich nutzen.

Prinzipiell kann man sich das Usenet als riesigen, dezentralen Forenverband vorstellen. Jeder Usenet-Server beherbergt eine Anzahl an Newsgruppen zu bestimmten Themen. Dabei legt der Server-Betreiber fest, welche Themengruppen auf seinem Server angeboten werden. Haben mehrere Server dieselben Themengruppen und ist die Funktion vom Betreiber nicht unterdrückt, so synchronisieren die Usenet-Server die entsprechenden Gruppen untereinander. Hierdurch kann Wissen nicht so schnell zerschlagen werden, wie in einem Forum/Board im Internet, welches normalerweise nur auf einem Server läuft. Wird dieser Internet-Server abgeschaltet, ist das Wissen weg.

Thunderbird als NewsreaderAls Nutzer kann man Newsgroups (Themengruppen) mittels einer Software, dem sogenannten Newsreader, abonnieren, lesen und eigene Beiträge in den Newsgruppen schreiben. Der Großteil des Usenets ist rein textbasiert und dient ausschließlich dem Austausch von Geschriebenem.

Eine Ausnahme macht hierbei das sogenannte “Binary Usenet”, eine Parallelstruktur aus Newsgroups, in denen es auch erlaubt ist Daten auszutauschen. Hier liegt auch der Ursprung der Usenext Thematik und vieler Missverständnisse. Da im Binary Usenet auch illegale Dateien getauscht werden, positionieren sich Anbieter wie Usenext und bieten schnellen Zugang zu gerade diesen Download-Newsgruppen. Hierbei verkaufen sie den Zugang als sicher. Wir können also unsere vorhin getroffene Feststellung weiter präzisieren. Usenext ist ein einzelner Zugangsprovider, der es auf einen bestimmten Teil des Usenets und zwar dem Binary Usenet abgesehen hat.

Eine weitere Eigenschaft des Usenets ist die Tatsache, dass der Provider festlegt, wie lange Inhalte für die Nutzer vorgehalten werden. So kann ein Anbieter zum Beispiel die Dauer auf 200 Tage festlegen. Ältere Beiträge in den Newsgroups können über diesen Server/Provider vom Nutzer nicht mehr abgerufen werden.

Wie kommt man ins Usenet?

Wie im letzten Absatz erklärt, ist das Usenet ein eigenständiges Netzwerk, dass älter ist als das Internet. Daraus lässt sich schließen, dass man neben der Internetleitung nun noch einen zweiten Anschluss braucht. Das ist heute so aber nicht mehr ganz richtig. Zwar hat das Usenet sein eigenes Protokoll (erst UUCP, später NNTP), jedoch gibt es sogenannte Gateways, die eine Verbindung zwischen Internet und Usenet ermöglichen.

Die Gateways sind solche Zugangsprovider wie Usenext. Jedoch gibt es weit mehr Provider als den eben genannten, die alle eine unterschiedliche Preisstruktur und ein unterschiedliches Angebot an Newsgroups vorhalten. Von kostenlos bis zum unverschämt teuren monatlichen Abo ist alles dabei. Einen Überblick über verschiedene Usenet-Provider kann man sich über entsprechende Anbieter-Vergleichsseiten wie z.B. UsenetCheck verschaffen.

Welche Gruppen, welcher Newsreader?

Kommen wir nun noch einmal schnell zum praktischen Teil. Um das Usenet zu nutzen und Spaß an der Sache zu haben sind eigentlich nur vier Dinge nötig.

    1. Ein Usenet-Provider
    2. Ein Newsreader (Software)
    3. Eine Auswahl an Newsgruppen, die man abonniert
    4. Einhalten der Netiquette

Über die Usenet-Provider haben wir uns im obigen Absatz schon unterhalten, sodass ich darauf nicht weiter eingehen werde.

Die Auswahl an Newsreadern ist aber ebenfalls riesig, sodass auch hier eine Entscheidung und vor allem ein Überblick am Anfang nicht ganz leicht fallen wird. Eine gute Übersicht vieler Newsreader findet sich auf der englischen Wikipedia-Seite.

Der dritte Punkt ist die Auswahl der Newsgruppen. Dabei ist das Usenet hierarchisch aufgebaut. Im Stammknoten sind die klassischen “Big Eight”, die da wären:

    • comp – Computerthemen
    • sci – Wissenschaft/Technik
    • soc – Gesellschaftliche Themen
    • talk – Smalltalk/Allgemeines
    • rec – Freizeit/Erholung/Kunst/Kultur
    • news – Diskussionen über das Usenet selber
    • humanities – Geisteswissenschaften
    • misc – Gemischtes, was nirgendwo anders passt

Weiter gibt es dann neben anderen noch Wurzelknoten wie:

    • de – für den deutschen Zweig im Usenet (sowie de.comp, de.sci, usw.)
    • alt – für den “anarchistischen” Teil des Usenets, der mit alt.binaries auch das Binary Usenet enthält

Jeder dieser Stammknoten enthält nun weitere Gruppen, die dann wiederum weitere Gruppen enthalten können. Je tiefer der Knoten, den man abonniert, umso spezialisierter die Themen und die Diskussion.

Der vierte Punkt in der obigen Liste ist die sogenannte Netiquette, welche dem einen oder anderen Nutzer vielleicht auch schon im Internet über den Weg gelaufen ist. Bei der Netiquette handelt es sich um ein “Regelwerk” der angemessenen und achtungsvollen Kommunikation in technischen Netzen, auf die vor allem in großen Teilen des Usenets besonderer Wert gelegt wird.

Fazit

Abschließend halten wir also noch mal fest:

    • Usenext ist nicht das Usenet
    • Usenet ist nicht von Grund auf böse, schlimm oder kriminell
    • Bevor wir das nächste Mal über ein Thema urteilen, beschäftigen wir uns damit

Ich hoffe, ich konnte euch noch ein paar neue Infos bieten.

Das Artikelbild steht unter CC-Lizenz und stamm von meme.tn

Usenext ist nicht das Usenet oder ist die Telekom das Internet?Über den Autor: Dieser Artikel, sowie 363 andere Artikel auf code-bude.net, wurden von Raffael geschrieben. – Seit 2011 blogge ich hier über Programmierung, meine Software, schreibe Tutorials und versuche mein Wissen, so gut es geht, mit meinen Lesern zu teilen. Zudem schreibe ich auf derwirtschaftsinformatiker.de über Themen meines Studiums.  //    •  • Facebook  • Twitter


1 Kommentare

  1. Christiansays:

    Ich muss auch immer mit dem Kopf schütteln, wenn ich mit solchen haarsträubenden Ansichten konfrontiert werde. Super Beispiel ist auch: DE-Mail ist doch viel sicherer! ;-)

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